
Modul 1, 2 oder 3 für die Wärmepumpe? Die Entscheidung hängt vor allem von Ihrem Stromverbrauch, dem Messkonzept und dem Liefervertrag ab. Wer nur auf einen beworbenen Rabatt schaut, übersieht schnell die Kosten für einen zusätzlichen Zähler oder Umbauten am Zählerschrank.
Dieser Ratgeber hilft Ihnen, Angebote zu vergleichen und die richtigen Fragen zu stellen, bevor Sie sich festlegen. Stand: 2. Oktober 2026. Redaktion: YOOVANO.
Aktueller Umsetzungshinweis: Die Bundesnetzagentur teilte am 28. Mai 2026 mit, dass einzelne Netzbetreiber insbesondere Modul 3 noch nicht ausreichend umgesetzt hatten und leitete Vollstreckungsverfahren ein. Module 1 und 2 müssen seit 1. Januar 2024, Modul 3 seit 1. April 2025 angeboten und abgerechnet werden. Für die konkrete Entscheidung sollten Sie deshalb die aktuell tatsächlich verfügbaren Zeitfenster und Messbedingungen Ihres Netzbetreibers schriftlich bestätigen lassen. Quelle: Bundesnetzagentur, 28.05.2026.
Die drei Module auf einen Blick
Bei § 14a EnWG geht es um steuerbare Stromverbraucher. Für die Teilnahme an der netzorientierten Steuerung gibt es eine Reduzierung der Netzentgelte. Die Bundesnetzagentur erläutert Voraussetzungen und Module.
| Variante | Entlastung | Messung | Was Sie prüfen sollten |
|---|---|---|---|
| Modul 1 | Jährliche Pauschale; Höhe abhängig vom Netzgebiet | Kein separater Wärmepumpenzähler allein für dieses Modul nötig | Wie hoch ist die aktuelle Pauschale an Ihrer Adresse? |
| Modul 2 | Netzentgelt-Arbeitspreis wird auf 40 % reduziert | Separater Zähler für den steuerbaren Verbrauch | Übersteigt der Vorteil die zusätzlichen Kosten? |
| Modul 1 + 3 | Pauschale plus zeitvariable Netzentgelte | Passende zeitaufgelöste Messung; Anforderungen vorab klären | Passt Ihr tatsächlicher Verbrauch zu den günstigen Zeitfenstern? |
Modul 3 ergänzt Modul 1 und lässt sich nicht mit Modul 2 kombinieren. Die Zeitfenster unterscheiden sich nach Netzgebiet. Für die technische Umsetzung empfiehlt Netze BW, die Messanforderungen mit dem Lieferanten abzustimmen.
Gilt § 14a für meine Wärmepumpe?
Die neuen Regeln erfassen grundsätzlich seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb genommene steuerbare Anlagen mit mehr als 4,2 kW elektrischer Netzanschlussleistung. Bei Wärmepumpen zählen auch Zusatzheizungen wie Heizstäbe. Die thermische Heizleistung auf dem Prospekt ist dafür nicht die entscheidende Angabe. Bei älteren Anlagen gelten besondere Bestandsregeln; lassen Sie Ihren konkreten Fall prüfen.
Mehr zur Einordnung finden Sie in unserem Grundlagenratgeber zu § 14a EnWG. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Auswahl und Wirtschaftlichkeit der Module.
Wann ist Modul 1 eine sinnvolle Ausgangsbasis?
Wenn Sie eine Wärmepumpe planen, aber Verbrauch und Zählerkosten noch nicht verlässlich kennen, lohnt sich zuerst eine Vergleichsrechnung mit Modul 1. Damit haben Sie eine Ausgangsbasis, an der Sie aufwendigere Varianten messen können.
Fragen Sie nicht nur nach der jährlichen Pauschale. Fragen Sie auch: Welcher Stromtarif wird angeboten? Welche Messkosten kommen hinzu? Muss der Zählerschrank ohnehin verändert werden? Erst mit diesen Angaben lässt sich beurteilen, ob eine andere Variante den zusätzlichen Aufwand rechtfertigt.
Wann kann sich Modul 2 mit separatem Zähler lohnen?
Modul 2 bedeutet keinen Rabatt von 60 % auf Ihre gesamte Stromrechnung. Reduziert wird der Netzentgelt-Arbeitspreis. Energiepreis, Steuern, weitere Preisbestandteile und Messkosten müssen Sie zusätzlich berücksichtigen. Prüfen Sie außerdem im Liefervertrag, wie die Reduzierung bei Ihnen ankommt.
Für Ihre Entscheidung empfehlen wir eine Jahreskostenrechnung: Vergleichen Sie das Angebot für Modul 1 mit dem vollständigen Angebot für Modul 2. Setzen Sie für beide denselben erwarteten Netzstromverbrauch der Wärmepumpe an. Bei einer PV-Anlage sollte das die tatsächlich aus dem Netz bezogene Menge sein.
Ein einfaches Vergleichsbeispiel
Frei gewähltes Rechenbeispiel, keine aktuellen Tarife: Angenommen, zwei vollständige Angebote ergeben bei gleichem Verbrauch einen jährlichen Vorteil von 180 € für Modul 2. Kostet der erforderliche Umbau zusätzlich 900 €, dauert es rechnerisch fünf Jahre, bis dieser Aufwand ausgeglichen ist. Das gilt nur, wenn Verbrauch, Preisabstand und laufende Kosten gleich bleiben.
Die Rechnung wird aussagekräftiger, wenn Sie zusätzlich einen milderen Winter und einen niedrigeren Netzbezug durch Photovoltaik durchspielen. Bleibt die Variante dann interessant, ist die Entscheidung belastbarer.
Wann lohnt sich Modul 3 mit zeitvariablen Netzentgelten?
Modul 3 arbeitet mit Hoch-, Standard- und Niedertarif-Zeitfenstern. Ein intelligentes Messsystem ist dafür in der Regel erforderlich. Die konkreten Voraussetzungen sollten Sie mit Lieferant und Messstellenbetreiber klären. Verwechseln Sie die zeitvariablen Netzentgelte nicht mit einem dynamischen Energiepreis: Es sind unterschiedliche Preisbestandteile.
Unsere Empfehlung für die Planung: Lassen Sie nicht nur mögliche Einsparungen zeigen, sondern auch den Heizbetrieb dahinter. Wie viel Wärme kann das Gebäude speichern? Welche Zeitverschiebung erlaubt die Anlage, ohne den Komfort zu beeinträchtigen? Welche zusätzlichen Kosten entstehen für Messung oder Steuerung?
Ein günstiges Zeitfenster allein ist noch kein guter Betriebsplan. Verlangen Sie eine Gegenüberstellung mit normalem Heizbetrieb und eine Erklärung der Annahmen. Wer ein Energiemanagementsystem anbietet, sollte nachvollziehbar zeigen, welche Aufgaben es in Ihrem Haus übernimmt.
Diese sieben Fragen gehören in Ihr Wärmepumpenangebot
- Welcher Netzbetreiber ist an meiner Adresse zuständig, und welches aktuelle Preisblatt gilt?
- Welche elektrische Anschlussleistung einschließlich Zusatzheizung wird angemeldet?
- Welches Modul wurde kalkuliert, und wer beantragt beziehungsweise vereinbart es?
- Welche jährlichen Gesamtkosten ergeben sich bei gleichem angenommenem Netzbezug?
- Welche einmaligen Kosten entstehen für Zählerschrank, Messung und Steuerung?
- Wie wird die Netzentgeltreduzierung im Liefervertrag berücksichtigt?
- Welche Unterlagen erhalte ich nach Inbetriebnahme, und wer erklärt mir die Einstellungen?
Bitten Sie um schriftliche Antworten. So können Sie später nachvollziehen, ob sich eine Abweichung aus einem anderen Verbrauch, einem geänderten Tarif oder einer technischen Einstellung ergibt.
Häufige Fragen
Welches Modul ist für Wärmepumpen am besten?
Eine pauschale Empfehlung wäre unseriös. Vergleichen Sie die vollständigen Jahreskosten und den technischen Aufwand für Ihr Gebäude. Besonders wichtig sind der erwartete Netzbezug und die Kosten des Messkonzepts.
Brauche ich für jedes Modul einen zweiten Zähler?
Für Modul 2 ist ein separater Zähler erforderlich. Bei Modul 1 ist dieser allein für die Pauschale nicht nötig. Für Modul 3 müssen die zeitabhängige Messung und Abrechnung technisch möglich sein.
Wo beginne ich, wenn ich noch kein Angebot habe?
Sammeln Sie vorhandene Verbrauchsdaten, Angaben zur geplanten Anlage und Fotos des Zählerschranks. Damit kann ein Fachbetrieb ein Messkonzept und eine nachvollziehbare Vergleichsrechnung vorbereiten.
Wärmepumpe und Stromkosten gemeinsam planen
Bei einer Wärmepumpe gehören Gebäude, Heizflächen, Strombezug und Messkonzept zusammen. Informationen zum nächsten Schritt finden Sie unter Wärmepumpe – Planung und Umsetzung. Für die Kombination mit eigener Stromerzeugung lesen Sie unseren Ratgeber zu Photovoltaik und Wärmepumpe als Komplettsystem.
Für eine erste Einordnung: Halten Sie Postleitzahl, Jahresverbrauch, Baujahr, geplante Wärmepumpe und ein Foto des Zählerschranks bereit. Nutzen Sie die Anfrage auf unserer Wärmepumpenseite, um Ihr Vorhaben zu schildern.
Quellen und Einordnung
- Bundesnetzagentur: Integration steuerbarer Verbrauchseinrichtungen – Anwendungsbereich, Module und Liefervertrag.
- Netze BW: Regelung § 14a EnWG – regionale Umsetzung, zeitvariable Netzentgelte und Messanforderungen.
Quellen geprüft am 2. Oktober 2026. Die Checkliste und das Rechenbeispiel sind redaktionelle Entscheidungshilfen. Maßgeblich für Ihr Angebot sind das gültige Preisblatt Ihres Netzbetreibers, Ihr Liefervertrag und das fachlich geprüfte Messkonzept. Beitragsfoto: alpha innotec / Unsplash; Symbolbild einer Wärmepumpe.